DIE WEITE JENSEITS ALLER ZUSCHREIBUNGEN

Das Trio Denkvermögen, Emotion und Handeln führt uns in seiner Wechselseitigkeit zur Überwindung von Kummer und Schmerz. So wird es uns in der Bhagavad Gita, dem uralten Weisheitstext der Yogis, nahegelegt.

Ahamkara, das Ego, sollte überwunden werden.

Leicht gesagt, schwer zu verstehen, noch schwerer zu tun.

 

Definitionen und Zuschreibungen machen einen großen Teil unserer Leben aus. Die Labels, die wir uns aufdrücken, betreffen vermeintlich das was wir „sind“. Handwerkerin, Arzt, Bäuerin, Lehrer, Bettlerin, Kaufmann, Astronautin, Bauarbeiter, Therapeutin, Großvater, Mutter, groß, klein, dick, dünn, schön, hässlich uvam.

 

Was aber passiert mit unserem Selbstbild, wenn all diese Zuschreibungen fallen oder sich verändern?

Wer bin ich ohne all die Labels, die ich mir selbst aufgeklebt habe oder die andere mir geben?

Was, wenn wir unseren Job, unsere Gesundheit oder unser Aussehen verlieren? Wenn all die Definitionen unseres Egos nicht mehr gelten? Worauf werden wir dann zurückgeworfen?

 

Yoga, im eigentlichen Sinn, erinnert uns daran, dass wir mehr sind, als unsere Labels.

Wir sind nicht nur Fleisch und Blut, Knochen und Verstand.

 

Wir sind belebt von Prana, der Lebensenergie, die allem was ist, Leben einhaucht. Menschen, Tieren und Pflanzen. Und auch die Elemente sind pure Energie. Eine Energie, die jenseits der Vorstellung liegt, was oder wer wir sind. Manche nennen diese Energie Seele oder Spirit, größere Kraft, Gott oder Allah, Bewusstsein oder Wesenskern, Purusha, Atma oder Buddhanatur.

 

Je mehr wir an unseren Bildern und Vorstellungen anhaften, umso weiter entfernen wir uns von dem inneren Kern, der uns allen innewohnt.

Üben wir uns also in Vertrauen.

Üben wir uns im Erkennen, dass alles auf dieser Welt einander bedingt und dass unser Wesenskern immer gleich bleibt. Von Anbeginn bis zum Vergehen, unveränderbar.

Sobald wir den letzten Atemzug empfangen haben, geht die uns innewohnende Energie wieder ins große Ganze ein. Wie tröstlich.

 

Meditation:

Spüre mit jedem Atemzug wie Deine inneren Bilder verblassen.

Du bist nicht der Titel, den Du Dir gibst.

Du bist nicht der Schmerz, den Du empfindest.

Du bist nicht die Wunde, die man Dir zugefügt hat.

Du bist nicht das Bild, welches Du morgens im Spiegel siehst.

Du bist die Beobachtende, die Zeugin der Gedanken und Gefühle, die Dir begegnen.

Lass Dich sinken in die Weite jenseits aller Zuschreibungen.

Finde Stille in der reinen Wahrnehmung.